Eine Allergie auf Sellerie als Ursache für Reizdarm?
Sellerie ist überall – und genau das kann zum Problem werden. Als versteckter Geschmacksverstärker kann er Magen-Darm-Beschwerden auslösen und bei manchen Menschen hinter einem vermeintlichen Reizdarmsyndrom stecken.
Ich habe jahrelang geglaubt, an Reizdarm zu leiden. Nach fast jeder Mahlzeit folgten Durchfall und Beschwerden – ohne Erklärung. Erst später stellte sich heraus: Der Auslöser war eine Allergie auf Sellerie. Dieses Wissen war eine enorme Erleichterung – körperlich wie mental.
Was mich bis heute überrascht: Viele Ärztinnen und Ärzte kennen diesen Zusammenhang nicht. Auch im Internet wird Sellerie als mögliche Ursache für Magen-Darm-Probleme kaum erwähnt.
Diese Seite soll genau das ändern.
Welche Symptome treten bei einer Sellerie-Allergie auf?
Bei einer Sellerie-Allergie können verschiedene Symptome auftreten. Dazu zählen Juckreiz oder Kribbeln im Mund, aber auch Magen-Darm-Beschwerden. Nicht alle Betroffenen haben alle Symptome – bei mir trat zum Beispiel kein Juckreiz nach dem Essen auf.
Häufig liest man, dass Sellerie-Allergien Durchfall, Verstopfung oder Übelkeit verursachen können. Das bleibt jedoch sehr allgemein. Deshalb beschreibe ich hier meine persönlichen Symptome – auch wenn das nicht besonders appetitlich ist.
Bei frischem Staudensellerie treten bei mir fast unmittelbar nach dem Essen Unterbauchschmerzen auf. Etwa 30 Minuten später bekomme ich starken Durchfall und muss häufig innerhalb einer Stunde ein weiteres Mal zur Toilette.
Ist Sellerie nur verarbeitet enthalten – etwa als Geschmacksverstärker, Brühe oder Pulver – beginnen zunächst Magengeräusche. Der Durchfall folgt dann ein bis zwei Stunden später, manchmal aber auch erst nach einem weiteren Auslöser wie Kaffee oder Eis. Lange Zeit dachte ich deshalb, Kaffee sei mein eigentliches Problem.
Da ich bei verarbeitetem Sellerie keine direkten Symptome nach dem Essen hatte, war es extrem schwer, den Zusammenhang zu erkennen – und die Allergie überhaupt zu identifizieren.
Für Außenstehende mag das harmlos klingen. Für Betroffene ist es das nicht. Regelmäßiger, unerklärlicher Durchfall bestimmt den Alltag: Autofahrten, Wanderungen, Konferenzen oder Kinobesuche werden zur Belastung, weil man nie weiß, ob man plötzlich dringend eine Toilette braucht.
Wie kommt es zu dieser Unverträglichkeit?
Bei einer Sellerie-Allergie handelt es sich häufig um eine Kreuzallergie, meist in Verbindung mit Birken- oder Beifußpollen.
Eine Kreuzallergie bedeutet, dass die eigentliche Allergie auf Pollen besteht, das Immunsystem aber auch auf bestimmte Lebensmittel reagiert, weil sich deren Eiweiße ähneln.
In meinem Fall ist die Sellerie-Allergie in Allergietests nicht nachweisbar. Sowohl Haut- als auch Bluttests zeigen keine Reaktion auf Sellerie. Durch die klare zeitliche Zuordnung meiner Symptome zum Verzehr von Sellerie weiß ich jedoch sicher, dass mein Körper darauf reagiert.
Beim Lesen über Sellerie-Allergien ist mir aufgefallen, dass viele Betroffene sofortige Reaktionen haben, etwa Juckreiz im Mund. Genau so reagiere ich auf Haselnüsse – hier ist der Bluttest auch eindeutig positiv. Die Symptome bei Sellerie treten bei mir jedoch zeitverzögert auf, was vermutlich erklärt, warum gängige Bluttests diese Form der Reaktion nicht erfassen.
Neben Sellerie lösen bei mir übrigens auch Fenchel und Liebstöckel Beschwerden aus. Beide gehören zur gleichen Pflanzenfamilie.
Manche Quellen geben an, dass 30–40 % der Deutschen auf Sellerie reagieren – damit wäre Sellerie nach der Haselnuss eines der häufigsten allergenen Lebensmittel.
Hier noch ein paar gute Quellen:
Ein kurzes Hinweis zu dem Thema Allergie vs. Unverträglichkeit: ich benutze hier beide Wörter, da ich nicht sicher bin, ob es sich hierbei um eine Allergie oder Unverträglichkeit bzw. Intoleranz handelt. Im Allergie-Test hat Sellerie bei mir nicht ausgeschlagen, aber es ist definitiv ein Kreuzallergen zu Birke. Am Ende ist das auch nicht relevant, denn das Vorgehen ist das gleiche: Sellerie vermeiden.
Wo ist Sellerie enthalten?
Kurz gesagt: in sehr vielen Lebensmitteln. Sellerie wird in der Lebensmittelindustrie häufig als natürlicher Geschmacksverstärker eingesetzt.
Da Sellerie als Allergen gilt, muss er zum Glück gekennzeichnet werden. Trotzdem übersieht man ihn leicht, weil er selten im Vordergrund steht.
Hier steckt (oft versteckter) Sellerie drin:
- Fast alle Brühen (und wenn kein Sellerie enthalten ist, ist häufig Liebstöckel enthalten, das zur gleichen Pflanzenfamilie gehört)
- Gerichte mit Brühe, z. B. Sauerkraut, Risotto, Eintöpfe
- Gewürzsalze
- Ketchup und andere Saucen, teilweise auch Mayonnaise
- Viele Fertiggerichte wie Ravioli, vegane/vegetarische Produkte oder Tiefkühlgerichte
- Manche Schinken und gelegentlich auch Salami
- Restaurantgerichte, besonders in Saucen, Bratensoßen und Salatsaucen → hier lohnt es sich immer, gezielt nach der Allergenliste zu fragen
Fenchel findet sich zum Beispiel in der italienischen Salsiccia (Fenchelwurst). In Deutschland ist Fenchel eher selten Bestandteil von Gerichten, in Italien dagegen deutlich häufiger.
Meine persönliche Erfahrung:
In traditionell deutschen Restaurants wird leider sehr häufig Sellerie verwendet. Bei spanischen Restaurants oder in der asiatischen Küche bin ich bisher sehr selten auf Sellerie gestoßen.
Was kann man gegen die Sellerie-Allergie tun?
Was hilft
- Sellerie konsequent meiden
Das ist der wichtigste und verlässlichste Schritt. Auch kleine Mengen oder verarbeiteter Sellerie (z. B. in Brühe) können Beschwerden auslösen. - Zutatenlisten immer lesen
Sellerie ist kennzeichnungspflichtig – beim Einkaufen lohnt sich ein genauer Blick jedes Mal. - Im Restaurant aktiv nachfragen
Allergenlisten einsehen und im Zweifel darum bitten, in der Küche nachzufragen. Besonders bei Saucen, Brühen und Dressings. - Eigene Trigger beobachten
Auch verwandte Pflanzen wie Fenchel oder Liebstöckel können Probleme machen. Ein Symptomtagebuch kann helfen, Zusammenhänge zu erkennen.
Was eher nicht hilft
- Sich auf Standard-Allergietests verlassen
Bei Kreuzallergien schlagen Blut- oder Hauttests oft nicht an. - „Ein bisschen Sellerie“ tolerieren wollen
Selbst kleine Mengen können Symptome verursachen – besonders in verarbeiteter Form. - Symptome anderen Lebensmitteln zuschreiben, ohne genauer hinzusehen
Kaffee, Eis oder andere Speisen können den Durchfall zwar auslösen, sind aber nicht immer die eigentliche Ursache. - Auf andere Lösungen hoffen
Eine Hyposensibilisierung ist nur gegen das Hauptallergen (z. B. Birke) möglich und wirkt nicht zuverlässig gegen das Kreuzallergen Sellerie.
Was sind eure Erfahrungen?
Ich freue mich über eure Erfahrungen, Feedback und Fragen über das Kontaktformular.
Eure Christine